Foto: Patrick Tomasso
So, 18 OKT 2026
10:00–11:30

Cafe Museum, Bibliothek
Operngasse 7, 1010 Wien
U1, U2, U4 - Karlsplatz (3min), Straßenbahn D,1,2, 71, BB - Oper/Karlsplatz (3min)

Wo die Stadt erzählbar wird

Die Straße als literarisches Motiv

Großstadtromane wie Dos Passos' Manhattan Transfer machen die Straße zum Ort, an dem Stadt erst erzählbar wird: Menschen kreuzen sich, Milieus prallen aufeinander, akustisch-visuelle Vielfalt entsteht. Die Straße strukturiert den Roman, durch Episoden, Montagen, wechselnde Perspektiven.

Sie ist zudem Schicksalsmotiv – von Ödipus' fatalistischer Weggabelung bis zu Boyles América, wo sie Klassen aufeinanderprallen lässt, die sich sonst nie begegnen. Zugleich ist sie Ort der Revolution, an dem Widerstand spürbar wird. Die Straße ist auch Begegnungsraum, der aus Fremden Vertraute macht, wo Figuren sich inszenieren, ihre Grenzen ausloten. Schließlich animieren Gedichte wie Chanas Die Stadt heilt jeden Tag zum Blick auf die Straße als utopischen Raum, wenn es etwa heißt »Ein Kind malt mit Kreide // Ein Polizist malt mit Kreide // Umrisse auf den Asphalt.«

Der Schriftsteller und Architekturpublizist Alexander Peer stellt in seiner literarischen Sonntagsmatinee stilistisch variantenreiche Straßenszenen vor und regt im Gespräch mit dem Architekten und dérive-Redakteur Andre Krammer zu mehrdimensionalem Nachdenken über die Straße an. Lassen Sie sich bei Kaffee und Kipferl ein auf die Sogkraft einprägsamer Literatur.